Ausgewählte Tierarten im Naturpark Sparbach

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen ausgewählte Naturparkbewohner vor:

 

Frischling auf Blumenwiese

Wildschwein

Wildschweine waren ursprünglich in Eurasien, Japan und Südostasien sowie auch in Nordafrika weit verbreitet. Die Einengung des Lebensraumes durch die Landwirtschaft und Bejagung führten zu einer starken Dezimierung des Bestandes im letzten Jahrhundert. Heute verbreiten sie sich wieder und erobern ehemalige Lebensräume zurück. Wildschweine sind extrem anpassungsfähig. Das zeigt auch die Tatsache, dass sich Wildschweine in stadtnahen Wäldern (z.B.: die Lobau – Wien) sehr wohlfühlen. Gelegentlich sind sie auch in Siedlungsgebieten anzutreffen. Die hohe Lernfähigkeit, das ausgeprägte Sozialverhalten und der effektive Schutz des Nachwuchses sind Grundlage für ihre Ausbreitung.

Lebensweise: Wildschweine sind Allesfresser. Ihre Lieblingsnahrung sind Eicheln und Bucheckern. Besonderes spezialisiert sind sie auf unterirdische Kost. Mit ihren kräftigen Rüsseln – mit welchen sie nicht nur sehr gut riechen, sondern auch gut tasten können – graben sie in erster Linie nach tierischem Eiweiß.  Engerlinge, Schnecken, Würmer oder Mäuse wie auch Pilze, Knollen und Wurzeln stehen auf deren Speiseplan. Durch das Graben und Wühlen fördern sie das Aufkommen junger Bäume, zudem vertilgen sie eine Menge Bodenlebewesen, die mitunter schädlich für den Wald sein können.

Körperpflege: Wildschweine nutzen Schlammmulden (Suhlen) zur Kühlung an heißen Sommertagen bzw. um lästige Insekten und Parasiten los zu werden. Nach dem Schlammbad folgt das Reiben (Malen) an ausgewählten Baumstämmen (Malbäume), das genüsslich vollzogen wird.

Lebenszyklus: Nach einer Tragezeit von 108 – 120 Tagen werden meist 5-8 Frischlinge im März und April geboren (geworfen). In Rotten (bis zu 30 Tiere) streifen Bachen mit ihren Frischlingen durch den Wald, die Keiler sind meist als Einzelgänger unterwegs. Das gute Nahrungsangebot führt dazu, dass Frischlinge bereits in ihrem ersten Jahr paarungsbereit werden können, die Hauptpaarungszeit (Rauschzeit) fällt in die Monate November – Jänner. Wildschweine können bis zu 20 Jahre alt werden.

Klimawandel: Wildschweine gehören sicher zu den Profiteuren des Klimawandels. Das häufigere Auftreten von Mastjahren, die Veränderung der Waldgesellschaften mit einem höheren Anteil an Eichen und Buchen, sowie das Vorrücken dieser Baumarten in höhere Lagen werden diese Entwicklung weiter begünstigen.

Mufflon

Das Mufflon auch Muffelwild genannt, gehört zur Familie der Hornträger und ist der wilde Vorfahre der heutigen Hausschafe.  

Die Farbe des Fells variiert je nach Jahreszeit. Im Sommer ist es braun oder rötlich braun und im Winter graubraun bis schwarz. Bei den männlichen Tieren kommt im Winter der Sattelfleck, ein weißer Fleck, dazu, der sich von der Rückenmitte verlaufend auf beiden Körperseiten zeigt. Das auffallendste Merkmal des Mufflons sind die dicken, nach hinten gedrehten, spiraligen Hörner. Bei den ausgewachsenen männlichen Tieren, die über zehn Jahre alt sind, bilden die Hörner eine Schnecke. Bei den weiblichen Mufflons sind sie kaum vorhanden oder nur wenige Zentimeter lang.

Vorkommen: Heute ist das Mufflon im Kaukasus, in Anatolien, im nördlichen Irak und im nordwestlichen Iran verbreitet. Mufflons findet man auch auf Elba, Zypern, Korsika und Sardinien, in manchen Gegenden Europas ist das Mufflon in jüngerer Zeit als Jagdwild ausgewildert worden. Die Tiere bevorzugen offene Gebirgslandschaften und trockene, steinige Böden, nutzen jedoch auch  Waldlandschaften.

Lebensweise: Die Mufflons ernähren sich als Pflanzenfresser ausschließlich von Laub, Gräsern, Kräutern, Moosen und Flechten sowie Baumrinde.  Mufflons leben in Rudeln, wobei es Widder- und Schafrudel gibt. Ausschließlich in der Brunftzeit, welche im Oktober bis November stattfindet, kommen die Widder zum weiblichen Rudel dazu.

Lebenszyklus: Nach einer Tragzeit von fünfeinhalb Monaten bringen die weiblichen Tiere im März oder April meistens eins, selten zwei Lämmer zur Welt, die sechs Monate gesäugt werden. Jungwidder verlassen das Rudel der Muttertiere erst im zweiten Lebensjahr, sobald sie geschlechtsreif sind. Die weiblichen Tiere werden bereits mit acht bis neun Monaten geschlechtsreif, bleiben aber im Rudel. Ein Mufflon hat eine Lebenserwartung von 12 bis 18 Jahren.

Ein Damhirsch und eine Damhirsch-Kuh stehen auf einer Freifläche und blicken neugierig in die Kamera.

Damwild

Das Damwild gehört zur Familie der Hirsche. Man unterscheidet beim Damwild zwei Unterarten: die europäische und die mesopotamische Art. Das Fell der Tiere verändert sich im Laufe des Jahres. Im Sommer ist es hell-rostbraun und hat Reihen von weißen Flecken, welche vom Halsansatz bis zum Ansatz der Hinterbeine reichen. Auf dem Rücken verläuft in der Mitte ein dunkler Strich (=Aalstrich), links und rechts davon ein weißer Strich. Der Hals ist rostbraun und die Bauchunterseite sowie die Beine sind einfarbig hell. Unübersehbar ist der Spiegel, die weiße Stelle mit schwarzen Rand am Hinterteil der Tiere. Im Winter wird das Fell der Tiere auf Rücken und Seiten schwärzlich und an der Unterseite grau. Die weißen Flecken sind nur mehr leicht zusehen.

Vorkommen: ursprünglich kommt das Damwild aus Mittel- und Südeuropa sowie aus Kleinasien. Später wurde es auch auf anderen Kontinenten, wie Argentinien, Südafrika, Japan oder Neuseeland verbreitet. Damwild lebt in lichten Wäldern mit großen Wiesen. Ideal ist eine Mischung aus Wald, Wiese und Feld. Im Wald finden sie Schutz und Deckung, auf Wiesen und Feldern die Nahrung.

Lebensweise: Die Tiere sind sehr sozial und leben im Rudel, allerdings geschlechtergetrennt. Ausschließlich zur Paarungszeit im Herbst treffen die Hirsche mit den Damtieren zusammen. Damwild ist tagaktiv und zieht über Wiesen, um zu äsen oder im Liegen zu ruhen. Damwild gehört zur Familie der Wiederkäuer und frisst ausschließlich Pflanzen.

Lebenszyklus: In der Brunftzeit zwischen Oktober und Dezember treffen sich die Tiere an den Brunftplätzen. In dieser Zeit hört man die Brunftschreie  der Damhirsche und diese kämpfen um die Damtiere. Nach der Paarung trägt ein Weibchen 33 Wochen und bringt meistens ein Junges zur Welt. Die ersten zwei Lebenswochen des Kalbes leben das Muttertier und das Jungtier abgesondert vom Rudel und kehren danach wieder zurück. Dort bilden die Kälber kleine Gruppen, die von den Rudelmitgliedern betreut werden. Mit zwei bis zweieinhalb Jahren sind die Tiere geschlechtsreif, die männlichen Jungtiere verlassen das Mutterrudel und schließen sich einem Damhirschrudel an. Das Damwild hat eine Lebenserwartung von 15 bis 20 Jahren.

©Naturpark Sparbach

Gelbbauchunke

Kleinere Tümpel, Traktorspuren, große Regenpfützen, Wildschweinsuhlen oder Entwässerungsgräben neben den Forststraßen sind im Frühjahr und Sommer immer eine genauere Begutachtung wert! Sind sie doch der Lebensraum und das bevorzugte Laichgewässer der schon seltenen Gelbbauchunke und anderer Amphibien. Diese Biotope sind frei von Konkurrenz und erwärmen sich schnell. Damit ermöglichen sie eine rasche Entwicklung des Laichs und der Larven. Auch in flachen Uferzonen von Teichen ist eine Sichtung der 4 bis 5 cm kleinen Unken leicht möglich. Über den Winter verkriecht sich die Gelbbauchunke an Land unter Wurzeln und Steinen oder im Bodenschlamm ihres Heimatgewässers. Auf ihrem Speiseplan stehen Insekten, allerlei Kleintiere und manchmal auch kleine Nacktschnecken.

Unkenrufe - uh uh uh: An solchen Kleinbiotopen kann man auch mit etwas Glück ihren Unkenruf – dumpf und melodiös - vernehmen. Neben der in der Biologie oft als klagend oder melancholisch beschriebenen Lautäußerung der Unke, versteht man in der Umgangssprache „Unkenrufe“ als abfällige Bemerkungen einem Vorhaben gegenüber, welches in der Umsetzung dann dennoch klappt.

Kahnstellung: So unauffällig die Gelbbauchunke mit ihrer schlammgrauen Oberseite und den harten und stacheligen Warzen erscheint, so eindrucksvoll  ist ihre grellgelbe Unterseite. Bei Bedrohung nehmen die Tiere durch den „Unkenreflex“ eine besondere Stellung ein: die KAHNSTELLUNG. Sie machen dabei in Bauchlage reflexartig ein extremes Hohlkreuz und präsentieren so ihre knallgelb gefärbten Bereiche an der Kehle, dem Bauch sowie den Unterseiten der Gliedmaßen. Diese krampfartige Abwehrhaltung soll Fressfeinde vor dem Hautgift warnen, das sie in dieser Situation absondern.

Gelbbauchunken gehören zu den geschützten Arten in Österreich, ihre Habitate werden durch Bewirtschaftung selten. Im Naturpark Sparbach setzen wir bewusst Maßnahmen um dieser geschützten Tierart zu helfen. Siehe dazu Projekt: Unkenrufe

Mauereidechse
©Naturpark Sparbach

Mauereidechse

Die Mauereidechse ist eher unscheinbar. Für gewöhnlich kann man sie an ihrem braunen Rücken mit dunklem Mittelstreifen erkennen. Zudem ist sie hell gefleckt und hat breite Seitenstreifen. Doch es gibt auch sehr unterschiedlich gefärbte Tiere, die mit einer stark grünlichen Färbung fast wie Smaragdeidechsen aussehen. Die Kehle ist stark schwarz bis rostbraun gefleckt. Die schlanke Eidechse hat einen verhältnismäßig langen Schwanz, der ihr beim Klettern hilft. Bei fünf bis 7,5 Zentimetern Körperlänge ist der Schwanz knapp doppelt so lang wie der eigentliche Körper.

Verbreitung: Die Mauereidechse ist in West-, Mittel- und Osteuropa verbreitet.

Lebensraum und Nahrung: Das schlanke Reptil lebt in Mauerritzen und Felsspalten. In Mitteleuropa mag sie die für Eidechsen typischen sonnigen und trockenen Biotope. Im Naturpark Sparbach findet sie in den Ruinen, der umgebenden Mauer und dem Lesesteinhaufen einen perfekten Platz. Mauereidechsen ernähren sich von Kleintieren wie Insekten, Spinnen, anderen Gliedertieren, Würmer und Schnecken.

Fortpflanzung: Die Paarungszeit der Mauereidechsen erstreckt sich von März bis Juni. Vor allem in dieser Zeit verteidigen die Männchen ihre Reviere mit zum Teil heftigen Kämpfen und Beißereien. Die Eier werden zwischen Mai und Juli im Erdboden oder unter Steinen abgelegt. Ein Paar hat bis zu drei Gelege pro Jahr. Nach zwei bis drei Monaten schlüpfen die Jungen.

Die Mauereidechse steht unter Naturschutz.

©Naturpark Sparbach/Susanne Käfer

Alpenbock

Seine charakteristische blaue Färbung mit den schwarzen Zeichen macht ihn unverwechselbar und gut erkennbar. Der bis zu 4 cm große Käfer hat etwa gleich lange, nach außen gebogene Fühler, das typische Erkennungsmerkmal aller Bockkäfer Arten. Die Entwicklung vom Ei bis zum adulten Tier erfolgt in Mitteleuropa fast ausschließlich in der Rotbuche, optimal ist stehendes Totholz in sonniger Lage, seltener in anderen Laubhölzern wie zum Beispiel Bergahorn. Als Hauptgefährdungsfaktor  – wie bei den meisten Tier- und Pflanzenarten – ist auch beim Alpenbock der Verlust an geeignetem Lebensraum zu nennen. Die Ablage der Eier in einem Holzstapel nach der Ernte stellt für den Alpenbock, der eine 3-4jährige Entwicklungszeit hat, ein ernst zu nehmendes Problem dar. Bevor der Käfer seine Entwicklung beenden kann, „landet das Holz im Ofen“. Die Weibchen legen die Eier in alte, bereits absterbende Bäume in sonniger Lage, in die Risse der Rinde ab. Die aus dem Ei schlüpfende Larve frisst am ausgetrockneten Holz. Nach 3-4 Jahren verpuppt sich die Larve. Der geschlüpfte männliche Käfer nutzt einen Baum als Revier und wartet bis ein Weibchen sein Revier anfliegt. Das Weibchen prüft den Baum auf seine Eignung als Kinderstube. Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier getrennt in Risse der Rinde des Baumes. Die Käfer schlüpfen aus den Larven ab Ende Juni, sie sind bis September anzutreffen. Der adulte Käfer lebt nur etwa  10 – 14 Tage, in denen es ausschließlich um Fortpflanzung geht.

Der reiche Buchenbestand im Naturpark Sparbach, das stehende Totholz trägt dazu bei, dass hier der Alpenbock immer wieder angetroffen und dokumentiert wird.

©Naturpark Sparbach/Susanne Käfer

Hirschkäfer

Sein Name ist vielen Menschen ein Begriff, nicht jeder hat ihn bereits gesehen. Er ist der größte Käfer Mitteleuropas und mit seinem bis zu 3 cm langen, mächtigen, zu hirschgeweihartigen Zangen umgebildeten Oberkiefer auch einer der auffälligsten Käfer Europas. Dieses „Geweih“ macht zumindest das Männchen unverkennbar, denn das Weibchen hat normal entwickelte Oberkiefer und ist ein wenig kleiner. Mit diesen mächtigen Oberkiefern duellieren sich die Männchen regelrecht um die Weibchen, das erinnert sehr an die Revierkämpfe ihrer Namensgeber – der Hirsche. Bei diesen Zweikämpfen versuchen sie, mit dem Geweih ihren „Gegner“ im wahrsten Sinn des Wortes aufs Kreuz zu legen oder vom Ast zu werfen.

Die von uns Menschen wahrnehmbare Zeit ihres Auftretens, Juni und Juli,  ist im Vergleich zur Gesamtlebensdauer der Käfer eine sehr kurze. Von der Eiablage im Wurzelbereich von morschen Baumstümpfen bis zum Erscheinen des fertigen Käfers (Larven und Puppenzeit) können 5 bis 6 (manchmal bis zu 8 Jahre) vergehen, ihr Käferleben dauert nur wenige Wochen in dem es nur um die Fortpflanzung geht. Nach der erfolgreichen Paarung sucht das Weibchen einen geeigneten Platz für die Eiablage, das sind meist morsche Baumstümpfe (häufig Eichen), sie graben sich in die Erde ein und legen bis zu 50 Eier in die Wurzelbereich. Nach einigen Wochen schlüpfen aus den Eiern die Larven, diese ernähren sich von morschem und verpilztem Holz, dass sie in dieser Zeit zu Mulm umbauen. Nach fünf, manchmal auch erst nach sechs oder acht Jahren bauen sich die Larven in 15 bis 20 cm Tiefe eine Puppenwiege aus Erde und Mulm. Dieser Kokon ist oval und etwa faustgroß. Seine Wände sind ca. 2 cm dick und innen mit Nahrungsbrei und Sekreten geglättet, die Pilze und Bakterien abtöten können. Der Kokon der männlichen Larven ist wesentlich größer und vor allem länger als der des Weibchens. Das ist verständlich, denn für die Oberkiefer, für das Geweih, braucht das Männchen Platz. Bei den Puppen sind die Oberkiefer noch an den Bauch angelegt. Nach etwa sechs Wochen schlüpfen die Käfer, bleiben aber den Winter über im Boden. Erst im Frühjahr graben sie sich nach oben durch und leben dort nur wenige Wochen und sind ausschließlich mit Fortpflanzung beschäftigt.

Der Hirschkäfer hat zahlreiche Feinde, vor allem Vögel haben es auf die Käfer abgesehen. Dennoch ist es der Mensch,  der durch das Aufräumen und Bewirtschaften der Wälder es den weiblichen Hirschkäfern schwer macht, geeignete Stellen für die Eiablage zu finden. Im Naturpark Sparbach verbleibt ein großer Teil des morschen Holzes im Wald – so tragen wir aktiv zur Verbesserung des Erhaltungszustandes dieser Tierart bei.